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DANCE STARS Magazin | 02.2014

| 23DanceStars | Das Tanzmagazin aus Bremen Für das Selbstbewusstsein ist dieser Einschnitt im Leben eines Tän- zers eine schwere Probe. Eben noch jubelten einem die Leute zu – plötzlich ist man in der Leistungsgesellschaft nichts mehr wert. Man braucht einfach Hilfe in diesem Prozess. In Deutschland gibt es seit vier Jahren die Stiftung Tanz, die Tänzern in der Zeit des Übergangs zur Seite steht. Hier kann man sich informieren über Umschulun- gen, Studiengänge, Bürokratie und es gibt auch psychologische Be- ratung. Von Martha Graham stammt das Zitat: „Tänzer sterben zweimal. Das erste mal, wenn sie aufhören zu tanzen und der erste Tod tut mehr weh.“ Ohne diesen ersten Tod aufzuarbeiten, ist wahr- scheinlich kein Weiterkommen möglich. Wir älteren Tänzerinnen versuchen, uns so gut es geht gegenseitig beizustehen. Eine Kolle- gin, die nach einer misslungenen Knieoperation ihre Tanzkarriere aufgeben musste, sagt heute nach zwei Jahren: „Mittlerweile kann ich es laut aussprechen. Ich bin keine Tänzerin mehr.“ Das hat ge- dauert. Aber das ist doch klar, sagt sie, seit wir Kinder waren, gab es immer jemanden der gesagt hat: jetzt hast du Jazz Unterricht, danach Ballett, mach tendue, mach plié , du musst an deinen Pirou- etten arbeiten, das Bein muss hoher, der Kick ist auf 3, Ballchange auf 4, die Großen nach hinten, die Kleinen nach vorne, noch 15 Mi- nuten bis zu Beginn der Vorstellung... in der Entwicklung der Per- sönlichkeit - was will ich, was zeichnet mich aus, wofür möchte ich stehen - liegen wir oft Jahre zurück. Manche mögen die strenge geregelte Struktur des Balletts und sind vielleicht ideale Organisatoren oder Administratoren. Manche brau- chen die körperliche Betätigung. Sie finden vielleicht ihr Glück als Yoga oder Pilates Instruktor oder Personal Trainer. Manche lieben den künstlerischen Ausdruck und das Rollenspiel, sie finden viel- leicht ähnliche Stimulation als Schauspieler oder Choreograf. Man muss viel nachdenken und Gefühlen bis auf den Grund gehen, um zu der Essenz zu gelangen: was genau ist es, das mich zum Tanz zog und wo finde ich es wieder? Es ist ein langer mühsamer Pro- zess doch nach und nach sehe ich klarer: ich liebe ganz einfach das Theater! So lange ich nur einen Weg finde, bei einer Bühnenprobe dabei sein zu dürfen, die Berechtigung durch den Bühneneingang zu gehen und den Duft von Bühnennebel zu atmen, vor einer Pre- miere gestresst durch die Gänge zu eilen und wenn das Licht sich senkt, angespannt in meinem Sitz, in den Sekunden der Stille bevor die Musik einsetzt dieses Knistern zu spüren - dann werde ich glücklich sein. Auch wenn andere dann tanzen. Als „Bluebell Girl“ konnte Susanne jahrlang am Lido in der ersten Reihe tanzen. Auch viele Showgrößen, wie die Kessler-Zwillinge, waren bei ihr zu Gast.

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