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DANCE STARS Magazin | 02.2011

| 35DanceStars | Das Tanzmagazin aus Bremen etlef Hegemann, über Jahr- zehnte einer der wichtigsten Schiffbauunternehmer des Landes, ist tot. 83-jährig starb er in Bremen. Hegemann war in den 1950er-Jahren einer der erfolgreich- sten deutschen Turniertänzer und holte ge- meinsam mit seiner Frau Ursula für den Grün-Gold-Club mehrere Landes- und Eu- ropameistertitel nach Bremen. "Ein großer Unternehmer und Kämpfer", würdigte ihn Volker Kröning, bis Juni vergangenen Jah- res Vorstandschef der Hegemann AG. Ge- boren wurde Hegemann am 6. November 1927 zwar in Hagen in Westfalen, siedelte mit seinen Eltern aber Anfang der 30er- Jahre nach Bremen um, wo er 1947 am Gymnasium am Barkhof das Abitur ablegte. Danach studierte er an der Technischen Hochschule Hannover das Bauingenieurwe- sen. Anschließend stieg er in das von sei- nem Großvater August Reiners gegründete Bauunternehmen ein, das er bereits 1957 teilweise und 1973 vollständig übernahm. Die Hegemann-Gruppe expandierte in den folgenden Jahren. Zeitweise waren bis zu 5000 Mitarbeiter in mehr als zwei Dutzend Unternehmungen beschäftigt. Hegemanns Herz hing vor allem am Schiffbau. 1972 be- gann es mit der "kleinen" Rolandwerft in Bremen-Hemelingen. Als die Schürenstedt- Werft in Berne Konkurs anmelden musste, wurde daraus die "große" Rolandwerft. Als erster Investor erwarb Hegemann 1992 eine ostdeutsche Werft. Er kaufte von der Treuhand-Gesellschaft die marode Peene- Werft in Wolgast an der polnischen Grenze und machte sie wieder flott. Für die struk- turschwache Region in Mecklenburg-Vor- pommern war er eine Art Symbolfigur für den Neustart. 2005 erhielt er für sein Enga- gement das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Drittgrößte Werftengruppe Mit dem im Sommer 2007 folgenden Kauf der Volkswerft Stralsund vom dänischen Moeller-Maersk-Konzern führte Hegemann sein Unternehmen endgültig in die Spitzen- gruppe der deutschen Werften. Nach Thys- senKrupp und Meyer Werft besaß er die drittgrößte Schiffbaugruppe in Deutsch- land mit einem milliardenschweren Auf- tragsbuch und fast 2400 Mitarbeitern. Die drei Werften bauten Containerschiffe und Offshore-Schlepper, Schwergutfrachter, Marine-, Behörden- und Forschungsschiffe. Detlef Hegemann hatte gerade im Osten Millionen in seine Werften investiert, grün- dete auch für seine Bausparte neue Nie- derlassungen. Als Unternehmer und Mensch wurde er geschätzt und gemocht. Als "Unternehmer vom alten Schlag" wurde er oft charakterisiert. Er war ein Vorzeige- Mittelständler ohne Allüren, der sein Leben ganz der Firma widmete. "Er war immer für seine Mitarbeiter da, er hat viel geleistet und viel gefordert, am meisten von sich selbst", würdigte ihn der Hegemann-Auf- sichtsratschef Volker Hartmann. Es gab auch für den profilierten Unternehmer Det- lef Hegemann Höhen und Tiefen, doch er agierte lange sehr erfolgreich und lenkte noch mit 80 Jahren höchstselbst sein Fir- menimperium. Doch dann traf die im Herbst 2008 einsetzende weltweite Wirt- schaftskrise die Firmengruppe und den Un- ternehmer Hegemann überraschend hart. Gerade die Schiffbausparte geriet in mas- sive finanzielle Schwierigkeiten, weil etli- che Reeder ihre bestellten Neubauten nicht mehr bezahlen konnten. Die Außenstände der Werftengruppe summierten sich bin- nen kurzer Zeit auf einen hohen zweistelli- gen Millionenbetrag, es kam zu bedrohlichen Liquiditätsengpässen. Dank eines Bürgschafts- und Kreditprogramms des Bundes und des Landes Mecklenburg- Vorpommern konnten die Werften und ein Großteil der Arbeitsplätze schließlich ge- rettet werden. Detlef Hegemann allerdings musste dafür einen hohen Preis zahlen: Die Rolandwerft in Berne wurde an Lürssen verkauft, die Standorte Stralsund und Wolgast gerieten unter treuhänderische Verwaltung und fir- mieren heute unter dem Namen P+S Werf- ten. Auch die anderen Unternehmens- bereiche wurden restrukturiert. Es muss den Firmenpatriarchen tief getroffen haben, dass die Krise sein Lebenswerk beinahe zerstörte. Er, der stets pünktlich um acht Uhr morgens im Büro gesessen hatte, zog sich fast gänzlich ins Private zurück und begnügte sich mit dem Ehrenvorsitz im Auf- sichtsrat. "Ohne Detlef Hegemann wäre die Restrukturierung nicht zustande gekom- men", sagt Kröning. Dabei hat die Hegemann-Gruppe auch ohne die Werften, die noch bis 2014 unter Treuhand-Verwaltung stehen, noch eine be- achtliche Größe. Geblieben sind das Bau- geschäft, die Nassbaggerei, industrielle Dienstleistungen etwa bei den Stahlwerken oder die Touristik mit der Berliner Stern- und Kreisschifffahrt. Insgesamt rund 1500 Menschen arbeiten für Hegemann und sor- gen für einen Jahresumsatz von 150 Millio- nen Euro. Neuer Firmenchef an der Spitze eines dreiköpfigen Vorstands ist seit August vergangenen Jahres Tim Reiners, Großneffe Hegemanns und Urenkel des Unterneh- mensgründers August Reiners. Und auch das persönliche Erbe hatte Hegemann schon vor Jahren geregelt. Das kinderlos gebliebene Unternehmer-Ehepaar hat die Gesellschaftsanteile an zwei Stiftungen übertragen. Stiftungszweck: Erhalt und Fortführung des Unternehmens. Ein Unternehmer vom alten Schlag Detlef Hegemann mit 83 Jahren im August gestorben Der erfolgreiche Firmenchef war ein bekannter Turniertänzer E i n N a c h r u f | D e t l e f H e g e m a n n D Nachruf des WDSF zum Tod von Detlef Hegemann The Death of a DanceSport Legend – Detlef Hegemann On behalf of the World DanceSport Federation, (formerly IDSF), we express our profound sadness at the passing of a greatly respected and inspiratio- nal President of IDSF and leader of DanceSport worldwide. For over thirty years, Detlef Hegemann was a powerful influence for the continuing development and growth of DanceSport worldwide and in sup- porting IDSF’s entry into the Olympic family. Amongst many prestigious awards and distinctions, Detlef Hegemann was recognised for his outstan- ding services to DanceSport by being appointed the inaugural Honorary Life President of IDSF. There are few words which can truly or adequately express our grief and sorrow in receiving this news. Although Mr Hegemann has passed away, we be- lieve that his spirit will live on and we will conti- nue to honour his memory in the decades to come. We offer our sincerest condolences to his wife, and I know that we are all thinking of her at this very dif- ficult time. Carlos Freitag President of WDSF on behalf of the Presidium and all members and friends of DanceSport TEXT KRISCHAN FÖRSTER / WESER-KURIER BREMEN Foto:JörgSarbach D