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DANCE STARS Magazin | 02.2011

22 | DanceSta rs | Das Tanzmagazin aus Bremen Verletzungen gehören zum Tän- zerleben dazu, kaum einer von uns wird im Laufe seiner Karriere nicht zumindest eine Knie-, Fuss- oder Rückenverletzung zu über- winden haben. Plötzlich funktioniert der Körper nicht mehr so, wie man es gewohnt ist. Es gibt Tage, an denen man sich am Ende eines Auftritts ernsthaft fragt, ob nicht der Schmerz den Spaß über- wiegt. Tänzer sind darauf trainiert, durchzuhalten, immer im Bewusstsein, das es genau jetzt drauf an- kommt, genau jetzt muss die Leistung erbracht wer- den. Doch irgendwann ist man nicht mehr 20, der Körper verzeiht nicht mehr so leicht, es braucht etwas mehr Pflege, um die Maschine gut in Betrieb zu halten. Was kann man tun, um den Körper zu stärken, zu schützen und nach längeren Auszeiten wieder zur alten Leistungsform zurückzufinden? Im Vorzimmer zur Hölle Ich hatte bisher eine eher distanzierte Haltung zu Yoga - zu spiri- tuell, zu wenig sportlich. Ich will mich bewegen, die Muskeln ar- beiten spüren, und nicht summen, meditieren und die innere Mitte suchen. Doch immer mehr Tänzer und auch Spitzensportler schwö- ren auf ihre täglichen Übungen und etwas muss wohl dran sein: Warum sind Tänzer, die Yoga praktizieren so gelenkig, so schlank und dabei so stark? Bikram Yoga, auch Hot Yoga genannt, wird in einem auf 40° beheiz- ten Raum durchgeführt. Die Wärme soll Flexibilität fördern, Zer- rungen vorbeugen und durch das extreme Schwitzen Verspannungen lösen. 26 Positionen werden in immer gleicher Rei- henfolge durchgeführt, bauen aufeinander auf und trainieren alle Muskeln, Sehnen, Gelenke, inneren Gefäße und Organe, mit dem Ziel, dass der gesamte Körper bei optimaler Gesundheit arbeitet. Regelmäßig praktiziert soll es gegen Migräne und Rückenschmer- zen helfen und hilft der Rehabilitation nach Verletzungen, indem es das Potential des Körpers unterstützt, sich selbst zu heilen. Allerdings sollte man nicht glauben, es handele sich hier um eine Wellness-Behandlung: Bikram Yoga ist - gelinde gesagt - eine Tor- tur! Bikram Choudhury, der Erfinder dieser Yogaform, nannte sei- nen Hotroom nur halb im Scherz „die Folterkammer“. Ich werde vom Professor ausgiebig vorgewarnt: Anfangs kann es zu Herzra- sen und Schwindelanfällen kommen, wenn man sich wirklich sehr schlecht fühlt, darf man eine Übung auslassen, den Kurs abzubre- chen oder den Saal zu verlassen ist nicht gestattet. Die Stimmung im Studio ist strenger als jede russische Ballettschule, niemand spricht ein Wort, man wird schon böse angefunkelt, wenn man die Tür nicht leise schließt. Es riecht nach Füßen und Eukalyptus und sobald die Heizanlage angeschaltet wird, bleibt einem die Luft weg. Der Schweiß rinnt in Strömen in die Augen, die Beine hinunter, tropft auf die Matte, der Saal ist zum Bersten voll und es bedarf schon eines wahren Zen Meisters, sich zu entspannen, wenn man permanent den Fuß des Vordermannes im Gesicht hat. Trinken darf man nur zu den vorgesehenen Pausen. Geatmet wird durch die Nase, wer anfängt zu keuchen wird sofort ermahnt: „Das hab ich gesehen!“ Demut, Disziplin, Respekt und Rücksicht auf die anderen Praktizierenden, das sind die Werte, die im Yoga vermittelt werden. Demut und Disziplin - Attribute die auch Tänzer nur allzu gut ken- nen. Tatsächlich muss man sich in seine Übungen regelrecht erge- ben, dann wird es leichter. Jede Position wird zweimal wiederholt, und bis zu einer Minute gehalten. Die Muskeln brennen und zittern wie kurz vorm Explodieren. Dazwischen gibt es abgezählte 20 Se- kunden Entspannung, genannt savasana - die Leichenstellung. Ir- gendwie passend. Ich bin wirklich gelenkig, doch manche der Verrenkungen sind auch mir einfach nicht möglich. Im Prinzip, erklärt mir der Profes- sor später, kann jeder gesunde Körper jede Position ausführen, es sieht nur nicht zwingend bei jedem gleich schön aus. Tänzer gehen oft aus ästhetischem Gesichtspunkt an die Übungen heran und sind schnell frustriert, wenn die erfahrenen Yogis in der ersten Reihe das Bein höher heben können.Yoga ist jedoch nicht auf Wettbewerb aus. Jeder soll sein persönlich Bestes geben, geduldig sein und gnädig dem eigenen Körper gegenüber. Das ist definitiv eine Lektion, von der Tänzer - oft viel zu verbissen und ehrgeizig - profitieren kön- nen. F i t n e s s u n d T a n z Fitness & Tanz Welche Methoden sind für Tänzer sinnvoll? E i n e F e l d s t u d i e d e r P r o f i - T ä n z e r i n S u s a n n e F r o s t a u s P a r i s TEXT SUSANNE FROST Die Berlinerin Susanne Frost tanzt seit Jahren am LIDO in Paris. Tägliche Shows und tägli- ches Training machen sie zur “Fitness-Expertin”