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DANCE STARS Magazin | 01.2011

38 | DanceSta rs | Das Tanzmagazin aus Bremen lutkrebs - Eine Diagnose, nach der nichts mehr ist wie zuvor.Eine Krankheit,die tückisch zuschlägt,Leben nimmt und Löcher in Familien,Freundeskreise undVereine reißt. Während vor 30 Jahren die ALL (Akute Lymphatische Leukämie) binnen weniger Wochen unausweichlich zum Tod führte, wird heute überall auf der Welt gegen diese Krankheit ge- kämpft und immer häufiger können Erfolge gemeldet werden.Mittler- weile lassen sich etwa die Hälfte der Fälle mit einer Chemotherapie heilen.Und dies ist auch nötig,denn allein in Deutschland erkrankt alle 45 Minuten ein Mensch an Leukämie. Heute lachen wir uns noch ins Gesicht und schon morgen muss einer von uns um sein Leben kämp- fen. Denn eine Chemotherapie ist alles andere als eine normale Behandlung. Für die Patienten bedeutet sie die Hölle. Eine Hölle, durch die sie gehen müssen, wenn sie leben wollen. Das Immunsystem wird vollkommen aus- geschaltet, die körpereigene Regeneration funk- tioniert nicht mehr. So dauert die Heilung eines simplen Schnitts an einem Stück Papier häufigWo- chen. Die Haare fallen aus.Viele der Präparate, In- fusionen und Bestrahlungen rufen massive Übelkeit hervor, schwächen den Körper immer weiter. Jeder Chemoblock wirkt daher verheeren- der als der vorherige.Viele Patienten verlieren auf demWeg die Hoffnung. Und dennoch kämpfen sie, müssen sie kämpfen. Umso wichtiger ist es, dass diese Menschen von allen Seiten Unterstützung erhalten. In jüngster Zeit passiert dies gerade in Bremen. Der 25-jährige Marco Welzel aus Delmenhorst wird derzeit im Krankenhaus Bremen Mitte gegen seine Leukämie behandelt. Im Dezember 2009 wurde Marco noch mit dem A-Team des GGC Bremens Weltmeister im lateinamerikanischen Formationstanz. Der Titel der damaligen Choreographie: „Siamo Noi“. Ita- lienisch für „Das sind wir!“ Das Wir steht noch immer an erster Stelle. Seine Familie, seine Team- kameraden und seine Freunde besuchen ihr „Goldstück“ regelmäßig im Krankenhaus, geben ihm und sich gegenseitig Kraft, diesen schweren Abschnitt in Marcos Leben zu überstehen. In Zei- ten der Not steht man zusammen. Diese Kraft können derzeit alle Beteiligten ge- brauchen. Uta Albanese, Marcos Trainerin, sagt, dass es ein „Schock für sie und das Team“ gewesen sei, als sie im November vergangenen Jahres von der Diagnose erfuhren. Zwar klagte Marco vermehrt über Magenprobleme und Übelkeit, aber das trete in der heißen Trainingsphase vor Welt- und Deutscher Meisterschaft verstärkt bei allen Tänzern auf, weiß die erfahrene Trainerin zu berichten. Auch der Gewichtsverlust Marcos war noch kein Grund zur Beunruhigung. Das harte Training fordert Tribut. Das wissen alle Beteiligten und somit sind solche Anzeichen körperlicher Belastung allge- genwärtig. Auch Marco und seine Familie sahen in der beschriebenen Symptomatik hauptsächlich Stress. Der junge Mann machte vor der Diagnose gerade seine Abschlussprüfung, zog von zu Hause aus, wollte sein eigenes Leben beginnen. Der trainingsbedingte Stress tat sein übriges, schließlich wollte Delmenhorsts Sportler des Jahres 2009 mit seinem Team wieder Weltmei- ster werden. Aus diesen Gründen haben behandelnde Ärzte Marco auch nie auf Leuk- ämie hin untersucht, sondern lediglich Bauchschmerzen und Übelkeit be- handelt. Vorwürfe sind dennoch vollkommen fehl am Platz. Marcos Vater Frank sagt dazu: „Wir reden hier nicht über die Vergangenheit. Wir reden über die Zukunft! Es geht um Marcos Überleben und wir sind zuversicht- lich. Marco ist ein Kämpfer und hat eine wahnsinnige Disziplin!“ Marcos Schicksal zieht große Kreise. Das Bekanntwerden der Erkrankung des sympathischen jungen Mannes mit dem ansteckenden Lachen, des- sen Gesicht vielen TänzerInnen bekannt ist, hat eine tiefe Bestürzung und Betroffenheit innerhalb der Tanzwelt hervorgerufen. Allein beim Saison- auftakt zur 1. Bundesliga am 15. Januar dieses Jahres in Aachen wurden so über 1200 Euro gespendet. Die Helfer mussten nach Augenzeugenbe- richten mit geliehenen Sektkübeln durch die Reihen gehen, da die offi- ziellen Spendendosen der DKMS zu schnell zu voll waren. Das A-Team gewann den Saisonauftakt mit sieben von sieben möglichen Einsen. Nach der Siegerehrung nahm Marcos Teamkamerad Angelo Adler das Mikrofon des Moderators und sagte: „...und jede einzelne Eins nur für dich, Marco!“ Als Marco von dem Ausmaß der Anteilnahme erfährt, muss er mit den Tränen ringen: „Ich habe es geschafft von meiner Diagnose bis heute nicht zu weinen.Aber als man mir das erzählt hat, da war es zu spät.“ Insbesondere gerührt hat ihn ein Link, der in der eigens für ihn ins Leben gerufene Facebook- gruppe „Dance for Leukämie! Typisierungsaktion für den Weltmeister Marco Welzel“ von einer Freundin eingestellt wurde. Ein Musikvideo von Phil Collins Song „Against all odds“ vom Live Aid Konzert 1985. Die Gruppe hat zur Zeit über 4000 Mitglieder und diente als einWerbemittel für eine großangelegte Typisierungsaktion, die Freunde von Marco orga- nisiert hatten. Dafür gründeten sie die „Pla- nungsgruppe Dance against Leukämie“ und planten über 10 Wochen die Aktion, die am 19. März 2011 in der Bremen Arena stattfand. Allein an diesem Tag wurden über 13000 Euro an Spen- dengeld eingenommen und 1542 Menschen ty- pisiert. Ein großartiger Erfolg, der vor allem durch die breite und bemerkenswerte Hilfsbe- reitschaft der Bremer und den persönlichen Ein- satz der Planungsgruppenmitglieder Realität werden konnte. Besondere Erwähnung hat sich der Darstellendes Spiel Kurs des Ökumenischen Gymnasiums Bremens unter der Leitung von Her- bert Schmitz verdient. Diese führten in Koopera- tion mit der Planungsgruppe ein Theaterstück über Leukämie auf und sensibilisierten auf diese Weise viele Menschen für diese problematische Thematik. Für diesen Ein- satz wurden sie mit der Ehrenurkunde der DKMS ausgezeichnet. Marco ist ein Kämpfer und ein Besuch bei ihm stimmt zuversichtlich. Der junge Mann ist zwar sichtlich mitgenommen von der Therapie, doch lässt er sich davon nichts anmerken. „Es ist wichtig, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.“, beschreibt er seinen Sinn für Humor, den er trotz allem noch nicht verloren hat und vor allem sein persönliches Rezept gegen Depres- sionen ist. Das ist wichtig, denn bei allem Humor und den Bemühungen, der Krankheit ein einigermaßen normales Leben abzutrotzen, kann man die Realität nicht ausblenden. Auch Marco musste das erfahren, als sein Bettnachbar, der ebenfalls an Leukämie litt, Ende März verstarb. Dennoch, oder gerade deshalb: Für den jungen Tänzer gilt jetzt das gleiche Credo, das ihn schon durch viele harte Trainingslager führte und ihm letztendlich den Weltmeistertitel einbrachte: Aufgeben ist keine Option. Auf die Frage, was für ihn zur Zeit das Schönste sei, antwortet er mit einem Augenzwinkern: „Das Wissen, dass sich so viele Menschen so sehr um mich kümmern. Das gibt mir ganz viel Kraft. Ich möchte mich dafür be- danken.“ B M a r c o We l z e l - e i n T ä n z e r m i t v i e l P e r s ö n l i c h k e i t Kampf dem Krebs Der Tänzer Marco Welzel spricht offen über sein Schicksal D