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DANCE STARS Magazin | 01.2011

30 | DanceSta rs | Das Tanzmagazin aus Bremen C ´ e s t P a r i s | D i e S t a d t d e r L i e b e u n d d e s S h o w t a n z e s voll es ist. Sie kennt uns eben und weiß, dass eine Packung Dolipran (das Allheilmit- tel der Franzosen, jeder Arztbesuch endet mit den Worten Dolipran) für Tanzverletzun- gen nicht ausreicht. Als sich bei mir letztes Jahr ohne jede Warnung plötzlich ein Wirbel verkantet hat und der Arzt sofort sagte „Bandscheibenvorfall“ (Dolipran intensive) hat Cathi in 10 Sitzungen und ihrer fabelhaf- ten Gymnastikmaschine alles wieder hinge- bogen. Ein Engel, diese Kine! SAMSTAG ---------------------- Quel Malheur! Ich habe einmal den schönen Spruch gele- sen: „Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehn.“ Das trifft definitiv bei uns zu. Seltsamerweise passieren solche Missge- schicke mit Vorliebe Samstag abends, vor vollem Haus. Federn, die nur ins Kostüm ge- steckt werden, fallen raus. Der Tempel soll sich drehen - heute steckt er fest. Die Trep- pen sollen sich ausfahren - heute klemmen sie irgendwo. Das Wasserbild läuft ganz ohne Wasser. Bei den Jungs fehlt ein Pom- Pom. Ein Mädchen trägt die falschen Schuhe. Eben hat der Hut noch gepasst - plötzlich liegt er am Boden. Natürlich, wenn man 365 Tage im Jahr jeden Abend 2 Shows spielt, kann nicht immer alles perfekt ablau- fen. Das wäre eine Illusion. Was mich aber nach wie vor jedes mal zum Lachen bringt, ist wie solche Vorfälle hier behoben werden. Erst einmal schnell den Vorhang zu. Das Pu- blikum bekommt eine Lautsprecheransage und wird dann mit Musik berieselt, um sie bei Laune zu halten. Hinterm Vorhang stür- men in der Zwischenzeit alle, wirklich alle Techniker auf die Bühne, versammeln sich um das Loch, wo sich zum Beispiel eine Bühnenversenkung nicht mehr schließen will, dann schauen sie alle trübsinnig, krat- zen sich am Kinn und murmeln „oh lala“ und „c‘est quoi ca“ und sind aufrichtig überrascht, wie denn so etwas passieren konnte. Niemand ist besonders in Eile, nie- mand wirklich zuständig. Bis schließlich der Herr Direktor hinter die Bühne gerannt kommt und sie alle aufscheucht. SONNTAG ---------------------- sur la piste Heute ist Matinée. Oh, wie hassen wir alle die Matinées! Die Nachmittagsvorstellung beginnt um 15 Uhr, das ist natürlich nicht wirklich früh morgens, aber wenn man so wie wir das ganze Jahr über auf „Nacht- eule“ trainiert ist, fällt es definitiv schwer. Wirklich unglaublich, wie sehr so ein Kör- per wehtun kann, wenn er nicht will. Egal wie sehr man sich dehnt und streckt, es fühlt sich an, als ob alle Sehnen und Mus- keln gleich wieder zurückschnappen. Selbst das Make up sieht irgendwie nicht richtig aus bei diesen kleinen verschlafe- nen Augen. Unser Publikum ist bei Mati- nées meistens deutlich älter. Fast ausschließlich Omi und Opi, die per Reise- bus aus der Provinz angereist sind und nachmittags in Paris ein Gläschen Cham- pagner plus Show einnehmen. Aber ich lasse mir nichts auf Omi und Opi kommen! Sie sind oft das dankbarste Publikum über- haupt. Das ist die Generation, die das Lido noch in seiner alten Tradition kennt und liebt. Unten im Saal ist die Stimmung präch- tig, während wir oben auf der Bühne uns wirklich jede Mühe geben, wach auszuse- hen. Wenn ich mich vor der Show auf der Bühne aufwärme und einen verstohlenen Blick durch den Vorhang werfe, wo die Band vor Vorstellungsbeginn zum Einstim- men Tanzmusik spielt, sehe ich oft die alten Herrschaften auf der piste, der Tanzfläche - nun ja, meine Berliner Oma würde sagen „schwofen“. Fast immer gibt es dabei auch ein Frauen-Tanzpaar. Witwen. Ich finde das immer unheimlich rührend. Und wenn die alten Damen noch so viel Energie aufs Par- kett legen, können wir natürlich keine Mü- digkeit vortäuschen. Nur manchmal frage ich mich, ob den Herrschaften eigentlich bewusst ist, wie viele der Tänzer auf der Bühne gerade vor eine halben Stunde noch eine Zigarette und eine Schmerztablette gefrühstückt haben? Nach der Matinee-Show gehe ich meistens noch mal nach Hause, esse schnell irgend- etwas und gehe sofort wieder schlafen. Vom Sonntag bleibt nicht viel übrig. Pünkt- lich zur Abend-Show ist dann alles wieder genauso wie es sein soll, die Beine fliegen hoch, die falschen Wimpern sitzen dort wo sie hingehören, alles fällt leichter. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier. The Show must go on. D