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DANCE STARS Magazin | 01.2011

28 | DanceSta rs | Das Tanzmagazin aus Bremen C ´ e s t P a r i s | D i e S t a d t d e r L i e b e u n d d e s S h o w t a n z e s MONTAG ---------------------- vite, vite! changement rapide! Heute fehlen uns 3 Mädchen, also habe ich viel zu tun. Natürlich freut man sich nicht, wenn Kolleginnen krank sind, aber für mich als „Swing“ geht es jetzt erst richtig los. Mein Dance Captain sagt mir etwa eine halbe Stunde vor der Show, welche Plätze ich heute tanze, und manchmal sind es so viele durcheinander, dass ich mir lieber eine kleine Liste schreibe. Die sieht dann ungefähr so aus: Prologue - anfangen als 8 - enden vorne als 7 Sexy Chic - keine 2, 4 und 19 Finale Prologue - heute kein Partner - komme erst zum zweiten Auftritt raus Katzen - nur zu viert - Hebung vorne Defilée - keine 13 und 16 Sonnen und Monde - nur 3 Paare, hinten die Mitte nehmen, nachher rechst enden Wasserbild - vorne nur zu fünft - die Mitte nehmen Finale - nur auf Stufe 11 statt Stufe 14 Es ist ein Gewirr aus Zahlen und Namen, das wirklich nur für uns Sinn macht. Ich bin eine von 3 „Day Swings“, das bedeutet, dass ich jeden Tag einen anderen Platz tanze. Insgesamt sind es 18 Plätze, in 3 ver- schiedene Gruppen aufgeteilt, die jeweils unterschiedliche Nummern in der Show tanzen. Natürlich gibt es immer ein paar Plätze, die man öfter tanzt und besser kennt als andere. Wenn ich einmal wirklich unsi- cher bin, schaue ich in mein Swingbuch. Darin sind alle Positionswechsel für die ge- samte Show aus der Vogelperspektive ein- gezeichnet. Meine Choreografien habe ich natürlich drauf, meistens muss ich nur kurz checken, auf welcher Stufe der Showtreppe ich enden muss oder hinter welches Mäd- chen ich mich einordne. Bei den vielen Fe- dern überall ist man, wenn man nicht genau am richtigen Platz steht, sofort im Weg. Hin- ter der Bühne genauso. Sobald die Show beginnt wird überall gerannt. Viele Umzüge geschehen innerhalb von Sekunden, direkt in den Nebenbühnen, wo kleine Gardero- ben für die changements rapides einge- richtet sind. Alles hier in der Hinterbühne verläuft in organisiertem Chaos. Wenn man doch mal in jemanden reinrennt auf dem Weg zur Bühne, weiß man: Das kann ei- gentlich nur ein neuer Techniker sein! DIENSTAG ---------------------- Mon Cabaret a Moi Heute bin ich in Gruppe B. Die drei Mäd- chengruppen sind mit den Buchstaben A B und C benannt, aber früher waren die Mäd- chen in Gruppe B die Belles, die Halbsoli- stinnen. Sie hatten sogar zu sechst ihre eigene Garderobe und ihren eigenen Bel- les Captain. Heute heißen sie einfach nur B, aber nach wie vor ist das die Gruppe, die meistens ganz vorne steht, die schönsten Kostüme hat und die besten Nummern in der Show tanzt. Vor allem aber darf ich in Gruppe B meine absolute Lieblingsnum- mer tanzen: „Mein Herr“ aus dem Film Ca- baret. Egal wie müde ich bin, wie viele Tage ich schon arbeite, wie spät in der Nacht es ist, für diese Nummer finde ich immer irgendwo in mir die Energie, die Konzentration, das Gefühl. Ich liebe diesen dramatischen Anfang, wenn alles ganz still ist und trotzdem vor Spannung vibriert! Und dann baut es sich immer mehr auf, wird immer schneller!! Und kurz vor der Schlusspose freue ich mich schon darauf, wie der Applaus gleich losdonnern wird! Einer meiner absoluten Höhepunkte als Tänzerin, vielleicht sogar meines Lebens, war als die große Liza Minelli, „Fräulein Sally Bowles“ persönlich, unsere Show be- sucht hat. Genau an diesem Tag war ich glücklicherweise wieder für Gruppe B ein- geteilt und habe ganz vorne, direkt wo sie saß, für Liza Minelli Cabaret getanzt. Und sie hat geklatscht und gelacht und laut mit- gesungen - diese ganz große Dame des Showbiz ist durch nichts auf ihrem Sitz zu halten, vor allem nicht bei „ihrem“ Lied. Ich habe ein kleines Geheimnis: Bei den Proben werden wir oft ermahnt in Cabaret die Hand am Zylinderhut ganz schlicht zu halten und bloß nicht den kleinen Finger wegzustrecken. Aber manchmal, wenn ich die Musik höre und sie mich so richtig durchdringt, wenn das Bühnenlicht so leicht anrüchig rötlich scheint und man spürt wie das Publikum gespannt den Atem anhält - dann rührt sich der kleine Rebell in mir, dann spreize ich doch den kleinen Finger ab und mache wie Bob Fosse sie erfunden hat perfekte Teacup Hands. Ich finde das sind wir Liza einfach schuldig. Ein Wochenbericht der Tänzerin Susanne Frost aus dem LIDO in Paris Die Berlinerin Susanne Frost tanzt seit über sieben Jahren am Pariser LIDO TEXT SUSANNE FROST FOTOS ERIC LANUIT, LIDO PARIS Ein Tagebuch