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DANCE STARS Magazin | 01.2011

26 | DanceSta rs | Das Tanzmagazin aus Bremen C ´ e s t P a r i s | D i e S t a d t d e r L i e b e u n d d e s S h o w t a n z e s s sind gerade einmal 876 Kilo- meter. Die gleiche Strecke wie zum Bodensee, nur eben süd- westlich. Paris, die Stadt der ewigen Liebe, die Stadt der Kunst und Kultur und der größten Museen. Die Stadt an der Seine, die die Schönheit des Seins scheinbar für sich gepachtet hat. Paris ist wunderbar, unvergleichlich und zeigt jedem Besucher sofort eine der wahren Bestimmungen des Lebens: ein- fach das Leben zu leben. Ist es verwunderlich, dass in dieser Stadt die Tempel des Showtanzes entstanden sind? Nein, dürfte es eigentlich nicht. Den- noch werden diese unvergleichbaren „Dino- saurier des Showbusiness“ schnell einmal vergessen. Schade, schweben doch so klangvolle Namen im Raum wie „Le Lido“, „Moulin Rouge“ oder auch der angelsächsi- sche Ausbrecher „Crazy Horse“. Bis kurz nach dem Mauerfall wurden im Ersten Deut- schen Fernsehen zu Silvester, und zwar zur besten Sendezeit um kurz nach Zwölf, die aktuellen Shows dieser Showtanz-Tempel ausgestrahlt. Ein Schmankerl der besonde- ren Art. Denn obwohl viele der Darbietun- gen mit barbusigen Tänzerinnen bestückt waren und natürlich noch immer sind, konnte nie eine Woge der Scham aufkom- men. C´est Paris. So ist das nun einmal. Wie fing es denn wirklich an? Wir schreiben das Jahr 1889. An der Pigalle, dem Vergnügungsviertel von Paris, wird das Varieté L´Olympia eröffnet. Eigentlich sollte es ein reiner Ballsaal werden, aber schon bald etablierte sich eine Gruppe von Tän- zerinnen, die den „Chahut“ tanzten. Ein em- pörender und sittenfeindlicher Tanz, in dem die Darbietenden ihre Röcke lüfteten und dem begeisterten Publikum mit viel Ge- schrei den einen und anderen Spagat vor- führten. Aus dem L´Olympia wurde schnell das Moulin Rouge. Der damals entstandene Tanz, wird immer noch getanzt – als Can- Can. Viele Persönlichkeiten der Zeitge- schichte gaben sich im Pariser Nachtleben die Klinke in die Hand. Der Maler Toulouse- Lautrec kreierte Werbeplakate, die noch heute Sammler und Museen dieser Welt begeistern. Die berühmtesten Chanson-In- terpreten traten auf. Alles Sänger, die Mu- sikgeschichte geschrieben haben: Charles Aznavour, Charles Trenet, Jacques Brel oder Gilbert Bécaud. Diese Liste findet kaum ein Ende. 1946 wurde in einem alten Schwimmbad ein weiteres Revue-Theater eröffnet. Das Lido de Paris. Direkt an der Pariser Prunk- straße, der Avenue des Champs-Élysées gelegen, wurde es rasant zum Garant für gute Unterhaltung. Hierzu trug das von den Inhabern entwickelte Konzept des „Dîner- spectacle“, einer Kombination aus luxuriö- E sem Abendessen mit anschließender Revue, ebenso bei, wie die inzwischen le- gendären Bluebell Girls. Diese Riege von langbeinigen Tänzerinnen geht zurück auf die seit 1948 im Theater tätige Margaret Kelly Leibovici, genannt Miss Bluebell. Die aus Irland stammende Tänzerin arbei- tet zusammen mit dem Choreographen Donn Aden an der Bühnenshow. Die Ko- stüme sind stets aufwendig und mit viel Strass und Straußenfedern versehen. Ein Konzept, welches auch noch heute funktio- niert und von dem nicht anhaltenden Besu- cheransturm honoriert wird. Das Lido ist festverwurzelt mit deutschen Künstlern. Allen voran waren es die Kessler- Zwillinge, die 1955 ins Lido kamen. Bis Die Kessler-Zwillinge, hier mit “Miss Bluebell” (Mitte) waren die Stars des LIDO Ende der 1950er Jahre Täglich wird dieser wundervolle Saal bis auf den letzten Platz gefüllt im LIDO de Paris TEXT LARS HENDRIK VOGEL